Meine erste Bekanntschaft mit einer Panikattacke

Anmerkung der Redaktion: Hierbei handelt es sich um Berichte von Menschen, die uns ihre Erfahrungen mit verschiedenen Situationen erzählt haben. Zum Schutz ihrer Anonymität geben wir keine Namen und Ereignisorte an und erzählen die Ereignisse in der Ich-Form nach, sodass auch niemand an seiner persönlichen Ausdrucks- und Schreibweise zu erkennen ist.

Es war ein stressiger Freitag gewesen, als mein Handy klingelte. Auf dem Display sah ich die Rufnummer meines Chefs. Binnen weniger Sekunden bekam ich schweißnasse Hände, sodass mir das Handy beim Versuch, den Anruf entgegen zu nehmen, heruntergefallen ist. Als ich es aufheben wollte, zitterten meine Hände so sehr, dass ich es nach dem dritten vergeblichen Versuch auf dem Boden liegen ließ. Mein Herz schlug so heftig, dass ich den Puls bis in den Kopf hinein spürte. Mir wurde schwindelig und ich setzte mich auf ein Sofa. Inzwischen klingelte das Handy nicht mehr. Nach ein paar Minuten ließen das Händezittern und auch die Kopfschmerzen nach.

Ich wusste nicht, dass es eine Panikattacke war

Zu Beginn dachte ich, dass sich damit eine kräftige Grippe ankündigen würde, denn ich hatte im Laufe des Tages mehrfach ziemlich gefroren. Aber es kam nichts. Am nächsten und übernächsten Tag hatte ich bei seinen Versuchen, mich per Telefon zu erreichen, die gleichen Symptome. Ich erzählte meiner Hausärztin bei meinem nächsten Besuch davon. Sie sagte mir, dass das typische Symptome einer Panikattacke waren und bot mir eine Überweisung zu einem Psychologen an. Das ist leider unmöglich, da ich durch meinen Beruf keine konkreten Behandlungstermine langfristig planen kann.

Mit Freunden fand ich die Ursache für die Panikattacken

Bei einem Gespräch mit Freunden erzählte ich von den Panikattacken. Sie wussten, dass mein Chef mich ständig für Probleme verantwortlich machte, die gar nicht in meinen Zuständigkeitsbereich fielen. In diesem Zusammenhang hatte es kurz vor den Telefonaten und den Panikattacken eine heftige Auseinandersetzung gegeben, nach denen ich mich wie „der letzte Scheuerlappen“ gefühlt hatte. Mein Unterbewusstsein hatte in dem Moment, in dem sein Name auf dem Display erschien, meine Gefühle bei dieser Auseinandersetzung wieder ausgekramt. Als er mich angeschrieen hatte, waren meine Hände ebenso nass gewesen und das Herz hatte bis zum Hals geschlagen.

Wie vermeide ich solche Panikattacken jetzt?

Heute weiß ich, dass vor allem mein niedriges Selbstbewusstsein für die Panikattacken verantwortlich war. Anstatt meinem sachlich meine Meinung zu sagen und ihm die Fakten zu den Ursachen der Probleme auf den Tisch zu legen, habe ich mich immer zu Unrecht angegriffen gefühlt und mich entschuldigt, statt mich zu verteidigen. Inzwischen habe ich mit meinem Chef darauf geeinigt, dass ich er mich auf Probleme schriftlich aufmerksam macht und ich auch schriftlich antworten kann. So habe ich Zeit, ganz in Ruhe über meine Antwort nachzudenken. Das funktioniert ganz gut und seitdem habe ich auch keine Panikattacken mehr gehabt.